Wo ist zuhause?

Jeder Mensch hat eine Herkunft und eine Wegstrecke vor sich, die ihn anderswo hin bringen wird. Und irgendwo auf diesem Weg liegt ein Zuhause, ein Ort, der anders ist als alle anderen Orte. Die Orte, die Menschen ihr Zuhause nennen, sind so verschieden wie die Menschen selbst.

Für manche ist das Zuhause an ein Haus gebunden, für andere an eine Landschaft oder an bestimmte Menschen. Manchmal ist es aber auch nur ein Gefühl, dass uns sagt, dass sich ein Ort von anderen Orten ganz wesentlich unterscheidet. Aber sind wir schon zuhause, wenn wir uns irgendwo wohlfühlen? Es gibt Menschen, von denen man sagt, sie haben „die ganze Welt gesehen“, während andere ihr Heimatdorf nie im Leben verlassen haben. Manche Menschen leben in großen, prächtigen Häusern, andere in einer kleinen Bude, einige in Zelten und viele Menschen auf der Welt haben gar kein festes Dach über dem Kopf. Heißt das, das manche über das Zuhause-Sein besser Bescheid wissen als andere?

Im Buch „Kleine Maus, große Stadt“ von Simon Prescott wird die Fabel von der Landmaus erzählt, die ihren Freund in der Stadt besucht und nach einer Weile großes Heimweh bekommt. „Es gibt eben keinen besseren Ort als das eigene Zuhause“ heißt es dort am Ende. Stimmt das?

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 Wir kleben aus Klebezetteln eine Begrifflandschaft an die Tür: Dinge, die ganz wichtig sind für unsere Vorstellung vom Begriff „Zuhause“ kleben wir direkt daneben, andere, weniger wichtige, etwas weiter entfernt. Über die meisten Klebestellen sind sich alle einig, bei manchen gibt es Diskussionen. Ist Strom wirklich wichtig für ein Zuhause? Die meisten Kinder feiern Weihnachten bei sich zuhause nur zwei fahren weg. Jedes Kind bekommt ein kleines Büchlein, um darin Dinge aufzumalen oder aufzuschreiben, die es zuhause gesehen hat. Jeder bemalt und beklebt die Titelseite, während wir weiter diskutieren.

Wir überlegen, was wir als erstes besorgen würden, wenn wir in ein völlig leeres Haus ziehen würden. Könnten wir uns mit diesen Dingen zuhause fühlen? Welche Dinge, die man nicht kaufen kann, gehören zu einem Zuhause noch dazu? „Dass man nicht ausgegrenzt wird, wenn man weint“ meint ein Junge. Das passiere schon mal in seiner Klasse in der Schule, „dabei ist eine Klasse ja auch eine Art Zuhause“. „Aber nicht, wenn man da dauernd Ärger hat“ widerspricht ein Mädchen. „Aber Ärger gehört zum Leben dazu“, hält ein anderer Junge dagegen, „und man muss auch einen Ort haben, wo man es rauslassen kann, sonst fühlt man sich irgendwann ganz komisch“. Einig sind sich alle, dass das Zuhause ein Ort ist, „wo man ganz fest hin gehört“. Und wo man beschützt wird, von einem Dach, von anderen Menschen, oder vom eigenen Mut, den man in einem Zuhause fassen kann, denn: „Zuhause ist man da, wo die Angst ganz weit weg ist“.

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