11. Salon: Wenn jeder Mensch seine eigene Sprache spräche, dann…?

Ausgeschnittene Worte (Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch), chinesische Schriftzeichen und Bilder liegen in der Mitte des Kreises. Die Kinder sortieren sie nach Wortlänge, einige lesen einzelne Worte vor.

Wir lesen aus „Zackarina und der Sandwolf“  von Asa Lind die Geschichte  „Zackarinas Sprache“.

In der Geschichte erfindet Zackarina ihre eigene Sprache. „Was wäre, wenn jeder seine eigene Sprache sprechen würde?“, fragen wir. „Dann würde keiner den anderen verstehen“, kommt die prompte Antwort. Ein anderes Kind ergänzt: „Und dann könnte keiner miteinander reden“.

Wir denken uns eine eigene Geheimsprache aus und bezeichnen verschiedene Dinge. „Erdbeere könnte man Punktbeere nennen, oder Punkti.“ Die Kinder greifen nach den in der Mitte liegenden Bildern und betrachten sie, bevor sie ihnen neue Namen geben. Auch die Wörter und Schriftzeichen ziehen die Aufmerksamkeit der Kinder an. Als Erstklässler fällt Ihnen das Lesen noch schwer. „Ist das ein Reh?“, fragt ein Kind? Wir zeigen auf die einzelnen Buchstaben und lesen sie zusammenziehend vor: „E-R“. Das Kind hatte sie von hinten nach vorne gelesen.

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„Habt Ihr schon einmal irgendwo kein Wort verstanden“, fragen wir? Ein Mädchen: „Ich war in Italien, da habe ich nichts verstanden. Nur ein Wort habe ich gelernt, ‚Grazie‘, das heißt ‚Danke‘. Und mein Papa ist fast immer im Zimmer geblieben, weil er nichts verstanden hat. Nur Mama und ich sind raus.“ „Ich kann Türkisch und Deutsch“, ruft ein Junge. Ein Mädchen entdeckt die arabische Schrift und sagt: „Ich kann nicht Arabisch lesen, aber zählen“  Sie zählt. Ein anderes Mädchen beginnt auf Englisch zu zählen, ein anderes wiederholt. Dann wird auf Türkisch gezählt. Wir zählen auf Arabisch und Chinesisch. Die Melodie der chinesischen Töne erstaunt die Kinder besonders.

„Was ist so besonders an der Sprache? Würden wir denn auch ohne Sprache zurecht kommen?“, fragen wir. „Nein“, ist die einhellige Antwort. Ein Mädchen: „Wir brauchen Sprache. Wenn einer mal einen Fisch haben will, an der Kasse, dann muss der auch fragen können, wie viel der kostet!“ „Ohne Sprache“, sagt ein Kind, „würden wir gar nicht hier sitzen, ohne Sprache kann man nicht Philosophieren.“ „Dann müsste man das anders machen,“ ergänzt ein Junge und verzieht das Gesicht zu einer Grimasse. „ Wie denn?“ fragen wir. „ Mit Zeichensprache!“, rufen gleich mehrere Kinder und fangen an zu gestikulieren.

Wir schlagen das Spiel Scharade vor, in dem Wörter umschrieben oder pantomimisch darstellt werden. Einige Kinder sind begeistert und wollen gleich beginnen. Andere nehmen ihre Phil, Sophie & Co-Bücher, die ausgeschnittenen Worte und Zeichen mit an den Maltisch. Den chinesischen Schriftzeichen kann man zum Teil Ihre Bedeutung noch ansehen, stellen die Kinder fest, so zum Beispiel bei der Feder, dem Berg oder dem Wald. Ein Mädchen legt Wörter und Zeichen in einen Reihe und schreibt sie in ihr Buch. Obwohl sie gerade erst 6 Jahre geworden ist, schreibt sie schon kleine Geschichten über ihre Familie auf. Viele Bilder bekommen die Widmung „Für Nazar“, ihre große Schwester. Da ihr Buch schon fast gänzlich mit Bildern und Texten gefüllt ist, versprechen wir ihr, dass sie im nächsten Salon ein neues bekommt, das erste aber gut aufbewahren soll! Sie sagt mit ernster Stimme, dass sie lieber beide bei sich haben möchte: „Ich hab‘ das Buch immer in meiner Tasche!“ Wir sind beeindruckt und versprechen ihr auch eine größere Schutzhülle, in die dann beide Bücher passen.

Arbeitsbuch

Die Zeit nähert sich dem Ende. Zwei Mädchen haben die Zeit vergessen, sie malen und sind vertieft in ein Gespräch über die ersten Worte der Steinzeitmenschen. Als wir mit dem Aufräumen beginnen und die von uns mitgebrachten Glühbirnen (warmes Licht) gegen die bibliothekseigenen Spar-Glühbirnen (kaltes Licht) austauschen, bemerkt eines der Mädchen misslaunig: „Bei so einem Licht kann man nicht philosophieren! Bei so einem Licht wäre das hier bloß ein Bastelkurs.“ Wir lachen und geben ihr voll und ganz Recht.

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