4. Salon: Welche Farbe hat die Wut

Gleich zu Beginn unseres Salons machen die Kinder große Augen. Wut – dazu können wirklich alle etwas erzählen. Einige holen schon einmal tief Luft, manche rollen die Augen. Wut ist ein starkes Gefühl, und wir kennen es sowohl von uns selbst, als auch von anderen.

Welche Farbe hat die Wut?

„Oh Gott: Wut“, sagt ein Junge. Anscheinend sind viele gespalten, wenn es darum geht, sich über Wut Gedanken zu machen. Eigentlich sei Wut ganz okay, meinen die meisten in der Runde, und es sei auch okay, dass man die Wut rauslässt. „Man MUSS sie sogar rauslassen“, erklärt ein Mädchen, „sonst wird man sie nie wieder los“. Aber alle wissen bereits, dass es nicht immer so ganz einfach ist, mit Wut umzugehen, nicht mit der eigenen, und nicht mit der Wut von anderen Menschen.

Und wie geht das überhaupt: die Wut rauslassen? Kann man vielleicht auch zuviel davon freisetzen? Die Kinder wählen aus hundert Farbkarten, die auf dem Tisch ausliegen, ihre eigene Farbe für Wut. Viele greifen nach Rottönen, und beschreiben ihre Wut mit gängigen Sprachbildern: „Man kocht dann so innerlich“, „Es brodelt in einem“. Einige suchen sich aber auch dunklere Farben aus, ein Mädchen wählt blau: „Weil meine Wut manchmal so riesig ist, wie ein Meer“, erklärt sie. Ein Junge wählt den Farbton „Deep Forest“, ein dunkles Grün. Als ich ihm den Namen übersetze, nickt er andächtig: „Das passt. Eine Wut kann so groß und mächtig sein, dass du dich auch richtig drin verirren kannst“.

Wir lesen „Robbi regt sich auf“ von Mireille d’ Allance und Markus Weber, in der die Wut erst groß und rot ist, und immer kleiner und kleiner wird. Nach und nach erzählen die Kinder, was sie wütend macht und wie sie ihre Wut erleben. Ein Mädchen hält eine schwarze Karte hoch: „Wut ist von außen eigentlich rot“, sagt sie, „aber in mir ist dann alles ganz schwarz“.

„Das Gute an der Wut ist: sie geht vorbei“, sagt ein Junge. Nicht immer fühlt man sich dann hinterher wirklich viel besser, oft aber doch. Und wirklich: Kein Wutanfall hält ewig und insofern passt die Schlussbemerkung aus der Runde, die Wut sei „wie ein Gewitter“. Das hört ja auch irgendwann wieder auf. Manchmal sogar schneller, als man zunächst dachte.

Advertisements

Wie sieht Wut aus?

Ein Wutanfall kann wie ein Naturschauspiel sein: Wie ein Vulkanausbruch oder wie eine riesige Welle. Einen Wutanfall bei jemandem zu beobachten kann schon mal richtig Angst machen und es kommt vor, dass man sogar vor der eigenen Wut erschrickt. Doch meistens ist die Wut, wenn sie am größten ist, auch bald wieder vorbei. Nur selten bleibt Wut für längere Zeit, meist ist sie dann nicht so laut und heftig sondern etwas stiller, dafür beständig: „Groll“ nennt man sie dann.

Wenn wir über Wut sprechen, dann fallen unsviele Bilder ein: „Ich platze gleich“ sagt man zum Beispiel, „Ich bin auf hundertachtzig“ oder: „Die Wut ist verraucht“. Welche Bilder passen zu Deiner eigenen Wut? Welche Farbe hat sie? Auf welchen Wegen bewegt sie sich durch den Körper? Was macht die Wut mit Dir, und: Wie wirst Du sie wieder los? Ist Wut schlecht? Oder gar böse? Oder gehört sie zu uns wie die Erleichterung, die Freude und die Langeweile?

Wir schauen uns das Bilderbuch „Robbi regt sich auf“ von Mireille d‘ Allance und Markus Weber an und reden über Wutanfälle aller Art: „Die Wut ist halt ein Teil von mir, mal ist sie da und mal nicht“ und „Wut kann einfach nur ne Verkleidung für etwas anderes sein, für Traurigkeit zum Beispiel“.

Anschließend malen wir die Wut mit Buntstiften und leuchtender Ölkreide in unsere Arbeitbücher hinein.