Wie wirklich sind Geheimnisse?

Manchmal können wir es kaum erwarten, jemandem etwas zu erzählen – und am liebsten wäre es uns, die ganze Welt würde es wissen! Manchmal aber tragen wir etwas mit uns herum, von der wir wollen, dass es niemals bekannt wird, vielleicht, weil wir es einfach nur ganz für uns selbst behalten und nicht teilen wollen, vielleicht aber auch, weil wir uns schämen oder fürchten, was passiert, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. Ein Geheimnis kann etwas Wunderschönes sein – oder aber eine drückende Last, die wir erst loswerden, wenn wir den Mut dazu haben. „Der Wahrheit ins Auge blicken“ sagt man manchmal, und es klingt so, als sei das keine leichte Aufgabe.

Es kommt sogar vor, dass wir absichtlich wegsehen, um weiter glauben zu können, woran wir unbedingt glauben möchten. Kann man sich vielleicht eine eigene Wirklichkeit ausdenken, an die man glaubt? Was wahr und wirklich ist, hat schon die antiken Philosophen beschäftigt: Platon warnte, das, was man wirklich weiß, von dem, was man nur glaubt, streng zu unterscheiden. Aber sind das Wissen und die Wahrheit denn so wichtig? Muss man immer ehrlich sein? Oder ist es unter Umständen okay, einmal zu lügen oder etwas zu verschweigen? Ist ein verschwiegenes Geheimnis vielleicht gar nicht wirklich, weil niemand davon weiß? Mit der Geschichte „In Wirklichkeit“ von Asa Lind aus „Alles von Zackarina und dem Sandwolf“ denken wir uns ein wenig warm.

„Es kommt darauf an“, meinen danach die meisten der Kinder, „was man sich dabei denkt, wenn man etwas nicht sagt“. „Es kommt auf das Gefühl an, das man dabei hat“, präzisiert ein Junge aus der Runde, „Wenn man ein schlechtes Gewissen hat, dann weiß man schon, dass etwas falsch ist“. Auf die Frage, wer alles ein Geheimnis hat, gehen alle Hände der Runde in die Höhe. Jedes Kind sucht sich daraufhin einen ruhigen Platz im Raum und schreibt sein Geheimnis auf. Anschließend wird alles übermalt und überklebt, damit nichts mehr davon zu sehen ist. „Nichts zu sagen heißt nicht, dass dann auch nichts ist, das Nichts ist in diesem Fall dann eben doch etwas“ erklärt ein Mädchen. Und ein Junge antwortet: „Ja, und meistens kommt es dann ja doch alles raus, irgendwann“.

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