13. Salon: Was ist Vergangenheit für mich?

Ziele des Salons:

  • Verknüpfung von eigener Erinnerung (11. Salon) und kollektiver Erinnerung (Spuren des 2. Weltkriegs in der Kunstkaserne (12. Salon)
  • Im Atelier: Emanzipation vom ‚schönen Bild‘

Verlauf des Salons:

In der Mitte des Kissenkreises liegen heute Abbildungen der Kunstkaserne aus dem Jahr 1902, von Gerhard Richters „Tante Marianne“ und des „Roten Craquelés“ von Gabriele Heidecker. Als uns ein Mädchen, das drei Wochen wegen einer Mutter-Kind-Kur gefehlt hat, eine Karte mitbringt, legen wir sie dazu, bis alle Kinder eingetroffen sind.

Nach unserem Begrüßungsritual „Wir sind ein starkes Team!“ und einem Erlebnisbericht von der Insel Langeoog – wir erklären das Wort ‚Kur‘ –  fragen wir nach dem Thema des heutigen Salons. Die Kinder schauen auf die Bilder und reden zunächst wild durcheinander. Sie finden mit etwas Hilfe zu einer Rednerordnung. Ein Mädchen weiß noch den Namen des Malers Gerhard Richter und ist sichtlich stolz. Ein anderes liest den Namen der Künstlerin aus der Kunstkaserne vor: Gabriele Heidecker. Wir resümieren, dass wir uns in den letzten Wochen damit beschäftigt haben, wie man Erinnerungen an etwas Vergangenes malen kann und fragen: „Welche Spuren der Vergangenheit habt ihr in der Kunstkaserne gesehen?“ „Die Wände waren ganz schwarz!“, startet ein Kind. „Ja, und die Tür war verbrannt“, ergänzt ein anderes. Wir erinnern daran, dass dort im Krieg eine Bombe eingeschlagen ist. Auch die Risse in den Wänden werden erwähnt – „da hat das ganze Haus gewackelt und Menschen sind gestorben.“ Ein Kind erzählt von ihrem letzten Museumsbesuch: „Da stand eine Schüssel vor dem Museum und da waren auch Löcher drin vom Krieg“ (Granitschale  des Steinmetz Johann Gottfried Cantian, 1826, vor dem Alten Museum, Berlin). Wir  bestätigen ihre Beobachtung und nennen den Namen des Museums.

Als wir nun die in Farbe und in Schwarzweiß kopierten Bilder aus dem 11. Salon (siehe 8. Mai 2012) verteilen, können die Kinder den Zusammenhang selber herstellen: „Da haben wir uns an etwas erinnert und dann die Fotos gemacht!“, kommentiert ein Mädchen. Die Kinder erzählen noch einmal ihre Erinnerungsgeschichten in Kurzfassung. In Korrespondenz zu den Bildern von Gerhard Richter haben wir bewusst die verwackelten Bilder ausgewählt. Zur Inspiration für ihre eigenen Übermalungen zeigen wir Bilder von Arnulf Rainer und Andy Warhol.

Ich bin am Meer

Darauf, dass wir die schwarzweißen Bilder auf normalem Druckerpapier und etwas streifig kopiert haben, um die Hemmschwelle zum Übermalen zu verringern, reagieren die Kinder unterschiedlich. Die meisten Kinder erkennen die Parallele zu den Wischspuren auf den Bildern von Richter und wollen gleich mit dem Übermalen beginnen. Ein Mädchen möchte sich lieber selber malen und die Kopie unverändert lassen. Ein anderes klebt ihr kleines farbiges Bild in ihr Buch und malt „das Meer“ drum herum. Dann möchte sie sich in Ruhe den Katalog zur Sammlung Marx (Hamburger Bahnhof) anschauen und versinkt tief in die Bilder abstrakter Malerei.

Die streifigen Kopien rufen bei einem Kind eine unerwartete, aber naheliegende Assoziation hervor: „Wir schauen uns Zuhause manchmal Filme von Buster Keaton an. Die sind ganz alt und haben auch manchmal solche Streifen.“ Wir bekunden unsere Freude über diese Idee. Zufrieden nimmt die den Stil von Andy Warhol auf.

Ich finde mich hässlich

Ein anderes Kind bekundet lauthals ihren Unmut: „Das Bild von mir ist hässlich. Ich seh‘ da hässlich aus. Ich will das nicht haben.“ Sie deutet an, es durchreißen zu wollen. Andere Kinder versuchen sie zu stoppen: „Das ist gar nicht hässlich. Wenn Du das durchreißt, ärgerst Du Dich vielleicht hinterher.“ Murrend beginnt das Kind zu malen, startet aber schon bald die zweite Klagearie: „Das sieht doof aus, ich will das nicht.“ Kinder zeigen ihr die eigenen Bilder und wollen ihr Ideen geben. Es nützt nichts. Wir schlagen vor, dass sie uns das Bild schenken könne, Kunst müsse doch nicht immer schön sein. Wir erinnern an Arnulf Rainer. Sie zerknüllt das Bild und übergibt es einer von uns. Dann nimmt sie ein Blatt und malt es mit Tusche schwarz. Ihre Aggression ist für alle spürbar, wird aber geduldig mitgetragen. Auf ihr drittes Bild malt sie mit Buntstiften eine zarte hellblaue Wolke und schreibt „GOTT“ darunter. Sie kommt zu uns und möchte, dass wir das Bild fotografieren, „Aber nicht das Wort da unten aussprechen!“, befiehlt sie. Wir versprechen es und machen ein Foto. Eine von uns sagt: „Ich kenne ein Lied, in dem das Wort vorkommt. Sie möchte es hören. Die Melodie scheint sie etwas freundlicher zu stimmen. Auch am Tisch beginnen die Kinder ein Lied aus der Schule zu singen. Bis auf unser Kind, das heute wohl einen ‚schwarzen Tag‘ hat, sind alle amüsiert und konzentriert mit ihren neu belebten Erinnerungsporträts beschäftigt. Ein Mädchen, das sich ansonsten eher zaghaft an eigene Bildideen herantastet, ist heute extrem mutig und bohrt sogar ein Loch in den Mund ihres clownequen Porträts. „Ich hab‘ heute einfach mal drauflos gemalt“, erzählt sie beschwingt. „Ich finde das gut.“ Wir bestärken sie und erzählen, dass viele Künstler so arbeiten würden und sich dann selbst wundern, was daraus entsteht. Sie freut sich.

Mit Heiligenschein und Flügeln

Beim Aufräumen kommt ein Kind zu uns und sagt mit kraftvollem Stolz: „Heute haben wir viel gearbeitet!“ Wir stimmen ihr zu.

Resümee

Die Kinder des Salons teilen ‚Freud und Leid‘ miteinander. Diese empathischen Verbindungen konnten nur entstehen, weil unser Salon bereits ein zweites Schulhalbjahr andauert und nicht auf eine Stunde begrenzt ist. Dass dies möglich ist, obwohl die Kinder aus unterschiedlichen Bildungshintergründen kommen, unterstreicht den Wert eines philosophischen Salons an einer Grundschule.

Die Begriffe ‚Vergangenheit‘ und ‚Erinnerung‘ haben die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes begriffen. Den Abschied vom ‚schönen Bild‘ meisterten fast alle mit Freude. Das Mädchen, das noch damit hadert, begleiteten sie geduldig in ihren Gefühlsausbrüchen.

Der Satz: „Heute haben wir viel gearbeitet!“, zeigt, dass den Kindern durchaus bewusst ist, was sie hier freiwillig leisten. Arbeit ist in diesem Sinne voll und ganz positiv besetzt.

Mein Bild ist auch ein bisschen unheimlich

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Ich finde mich schön

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Lustig

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12. Salon: Wo einst Soldaten wohnten. Exkursion zur Kunstkaserne am Südkreuz

Ziele des Salons:

  • Nachdem wir uns im letzten Salon dem Begriff des Erinnerns und dem Phänomen des Erinnerungsbildes (Gerhard Richter „Tante Marianne“, 1965) angenähert haben, besuchen wir mit der Kunstkaserne einen Ort, in dem die Vergangenheit – der Krieg – seine Spuren hinterlassen hat, d. h. einen Erinnerungsort.

Verlauf des Salons:

Bis alle Kinder eingetroffen sind, malen und kleben wir eine Danke-Schön-Karte für unsere Gastgeber in der Kunstkaserne. Alle Kinder unterschreiben. Sie sind bestens gelaunt und freuen sich auf den Ausflug. Im Taxi reden wir darüber, was eine Kaserne ist und fragen, was die Kinder vom Krieg wissen. Unser Junge erzählt von Ländern, in denen es Krieg gab. Ein Mädchen ist verunsichert: „Aber hier ist jetzt kein Krieg, oder?“ Wir beruhigen sie und betonen das Glück darüber, dass wir in einem Land leben, in dem Frieden herrscht. Unser Junge: „Krieg ist, wenn sich Leute nicht einigen können. Dann schießen die sich tot.“ Er erzählt von seinem Computerspiel, „in dem man die toten Soldaten neu erfinden kann“. Ein Mädchen wirkt empört: „In echt sind die dann aber wirklich tot und das ist schlimm!“ Wir stimmen ihr zu.

In der Kunstkaserne begrüßt uns die Künstlerin Gabriele Heidecker und führt uns durch die Ausstellungsräume. Vor einer quadratischen Vertiefung in der grob verputzten Wand bleiben wir stehen. Was das denn wohl sei, fragt unsere Gastgeberin die Kinder und deutet auf die Einkerbungen auf der unteren Kante. „Das ist für Farben!“, ruft ein Mädchen. Gabriele Heidecker verneint. Nach ein paar Stichworten erraten sie, dass es sich um einen gemauerten Gewehrschrank handelt. Anhand der Stellplätze in den Gewehrschränken könne man schätzen, wie viele Soldaten hier gelebt hätten. Die Vorschläge der Kinder starten bei acht und führen bis zu 1000. Es wären ungefähr 240 Soldaten gewesen, erfahren wir.

Als nächstes führt unser Weg in einen Raum mit verkohltem Türrahmen und geschwärzter Decke. Wir bekommen erzählt, dass hier im zweiten Weltkrieg eine Bombe eingeschlagen ist. Nun geht die Spurensuche an den Wänden weiter. Risse werden befühlt, loser Putz abgeknibbelt. Einige Kinder inspizieren sehr genau die ausgestellten Installationen und Bilder. Insbesondere die Bilder aus rotem Lack und schwarzem Teer „Rote Craquelés“ (1995-2000) faszinieren sie. Sie wollen ganz genau wissen, welche Materialien verwendet worden sind und warum die Künstlerin die Werke geschaffen hat. Mit Begeisterung sammeln sie die heruntergefallenen schwarz-roten Teer-Lackstückchen ein und befühlen sie. Jedes Stückchen hat eine andere Form. Die Kinder beginnen Gesichter und anderes zu assoziieren. Jedes Kind darf sich ein Stückchen mitnehmen.

Nun betreten wir die Spiegelinstallation „Virtual Place“ (2002). Wir erinnern die Kinder daran, bitte vorsichtig zu sein! Zunächst schauen wir uns den Raum an. Anhand des Sockels und der Ofenrohröffnung ist noch genau zu erkennen, wo früher der Ofen stand. Gabriele Heidecker erzählt, dass die fehlenden Bretter am Boden zum Heizen verwendet wurden, weil es nach dem Krieg kaum Heizmaterial gab. Dann stellen sich jeweils zwei Kinder in die Mitte der Installation und beschreiben, was sie in den Spiegeln sehen. Nach und nach erkennen sie, dass es auf der einen Seite scheinbar endlos abwärts, auf der anderen Seite aufwärts geht.

Die Kinder sind erschöpft und haben Durst. Wir gehen ins Wohnzimmer der Künstlerin, die Getränke und Gebäck vorbereitet hat. Am Boden im Kreis sitzend, kehrt zufriedene Stille ein. Einige Kinder fragen, ob sie nun malen könnten, doch leider reicht die Zeit nicht mehr. Wir vertrösten auf den nächsten Salon. Zum Abschluss bekommt jedes Kind eine Karte, auf der die Arbeiten von Gabriele Heidecker und Marosch Schröder zu sehen sind: „Zur Erinnerung!“ In den Händen hält jedes Kind ein rot-schwarzes Erinnerungsstück.

Resümee

Die Kriegsvergangenheit Berlins hat für die Kinder ein Gesicht bekommen. Das Wort Kaserne kannten einige zuvor nicht. Da die ausgestellten Installationen und Bilder ebenfalls Prozesse der Vergänglichkeit und des Zusammenfalls von Raum und Mensch sicht- und erfahrbar machten, konnten die Kinder Geschichte als etwas erleben, in das sie involviert sind. Zudem haben sie eine Art des Wohnens inmitten von Kunst kennengelernt.

5. Salon: Was kann ich und was könnte ich können?

Jeder kann etwas. Das steht fest. Und jeder kann etwas nicht, auch das haben alle schon einmal erfahren. Oft ist es leichter, Dinge zu benennen, die wir nicht können, als etwas, worin wir uns ganz schön gut finden. Aber warum eigentlich? Weil es so vieles ist, was wir nicht beherrschen? Oder weil es uns einfach schwer fällt, etwas an uns selber richtig toll zu finden, obwohl es vielleicht andere gibt, die das noch toller können?

Auf die Frage, wer etwas richtig gut kann, gehen die Hände der Kinder erst nur sehr zögerlich in die Höhe: „Nichts tun“, sagt ein Junge, „Meine kleine Schwester ärgern“ ein anderer, aber auch „klettern“, „lesen“, „mir Sachen merken“ und „kochen“.

Wir schauen uns das Buch „Sehr berühmt“ von Philip Waechter an und überlegen, wofür es sich lohnen könnte, sich anzustrengen und auch mal Niederlagen in Kauf zu nehmen.

Kaum ein Kind hat exotische Wünsche an das eigene Können. Die meisten knüpfen an vorhandene Fähigkeiten und Interessen an und würden das, was sie bereits schon ganz gut können, gerne noch etwas besser können: „Ich würde einmal gerne richtig gut kochen können“ erzählt ein Mädchen, „ich glaube, das würde mir dann richtig viel Spaß machen und anderen auch, die könnten dann bei mir essen“. – Wann wird das sein? Was müssen wir tun, um eine Sache immer besser zu können? „Auf jeden Fall muss ich noch geduldig sein, denn ich bin ja noch nicht erwachsen und Kinder können meistens noch nicht so gut kochen“.

Ein Junge erzählt, dass seine Mutter schon zwei Kochbücher geschrieben hat. Alle sind sich einig, dass sie dann wohl sicher eine sehr gute Köchin ist und das lange Zeit geübt hat. Aber könnte jemand auch dann schon gut kochen, wenn es nur ihm selbst schmeckt? Reicht das aus? Oder müssen noch andere derselben Meinung sein? Und gilt das auch für andere Fähigkeiten?

Aus vorgefertigten Materialien dürfen sich diejenigen Kinder, die der Meinung sind, dass sie irgendetwas richtig gut können, einen Orden basteln. Alle sind dabei. Ich schlage vor, die Orden in das Arbeitsbuch zu kleben aber einige heften ihn sich lieber gleich mit Tape an die Brust. Verdient ist verdient.

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Anschließend tauschen wir uns noch ein wenig aus: „Ich wäre gerne besser in der Schule, dann würde mir alles auch mehr Spaß machen“, sagt ein Junge, „aber es macht mir halt nicht so viel Spaß jetzt und deshalb kann ich auch nicht besser werden“. Aber steht der Spaß wirklich am Anfang einer guten Leistung? Was müssen wir eintauschen für unser Können? „Auf jeden Fall Zeit“ sind sich alle einig, „Und Nerven!“, gibt ein Junge zu bedenken. „Manchmal auch Geld“, sagt ein Mädchen, „man muss ja ab und zu auch mal jemanden bezahlen, damit er einem was beibringt“. Und muss vielleicht das Schicksal bisweilen ein bisschen nachhelfen? „Man muss halt üben, aber man braucht immer auch ein bisschen Glück“. Und wo das Glück hinfällt, da findet man dann manchmal auch das eigene Können – und umgekehrt. Und wenn nicht, dann könnten wir ja einfach noch eine Weile weiter danach suchen.

7. Salon: Was ist mein liebstes Bild!

Ziele des Salons:

  • Vertiefung der Genese eines Bildes. Wie wird aus einer Idee ein Bild?
  • Selbstreflexion: Was ist mein liebstes Bild und welche Technik ist für die Visualisierung meiner Idee passend?
  • Horizonterweiterung und Stärkung des Selbstvertrauens: Verortung der eigenen Bilder in der Welt der Kunst
  • Resümee: Welche Bilder in meinem Phil, Sophie & Co-Tagebuch gefallen mir, welche möchte ich überarbeiten, damit sie mir gefallen?

Ich bin Tintenfisch-Tarik

Ablauf des Salons:

Unsere ca. 20-minütige Vorbereitungs- bzw. Umgestaltungsphase der Bibliothek (siehe Kommentar 2012: Rituale der Phil, Sophie und Co-Salons) nutzt insbesondere unser kleiner Philosoph für einen intensiven Austausch mit uns. Da er erst im laufenden letzten Halbjahr dazukam, können wir ihn in dieser Zeit anregen, sich mit den Seiten in seinem Phil, Sophie & Co-Tagebuch zu beschäftigen, die bei den anderen Kindern schon gestaltet sind. Heute ermuntern wir ihn, sich eine Form der Selbstdarstellung für die erste Seite zu überlegen. Nein, er möchte sich nicht so malen, wie er wirklich ist. Er möchte einen Tintenfisch malen, weil er doch der „Tintenfisch-Tarik“ ist. Erst traut er sich dies nicht zu, aber nach einem nur angedeuteten und sehr einfachen Umriss von uns, malt er differenzierend weiter. Danach startet er gleich sein zweites Bild: „Jetzt male ich eine Krake, die hat aber einen spitzen Kopf!“ Er malt konzentriert, während wir um ihn herumräumen. Als weitere Kinder eintreffen, setzen sie sich gleich an den Tisch und in kürzester Zeit entstehen mehrere bunte Kraken. Unser Junge genießt das Interesse.

Im Kissenkreis begrüßen wir unseren Besuch, eine Praktikantin der Schule. In unserem Spiel „Wir sind ein starkes Team“ ist sie die „irre Iris“. Das Kind, das beim letzten Mal mit „Dobar dan“ gegrüßt hat, weiß heute auch, wie die Heimat ihrer Mutter heißt: Serbien. Sie wählt auch in dieser Runde die Sprache. Ansonsten ist „Bonjour“ sehr beliebt. Wir erklären die Wortanteile „bon“ und „jour“.

In der Mitte des Kissenkreises liegen heute ein Skizzenbuch und eine Zeichnung mit mehreren Gesichtern, die sich aus geschwungenen Linien formieren. Wir schauen die Skizzen nacheinander an. Ein Mädchen fragt verwundert: „Aber da sich ja gar keine Menschen in dem Buch?“ Wir erinnern an Birgit Rieger, wie sie ihre Hexe Lilli erfunden hat. Ein anderer Weg, seine Ideen sichtbar zu machen, wären Formen und Linien, ganz ohne Menschen, erklären wir. Wir verweisen auf die Ornamente eines Mädchens im Kreis. Sie freut sich über die Aufmerksamkeit. Als wir dann nach den liebsten Bildern der Kinder fragen, wollen die meisten Kinder sie lieber malen, als darüber reden.

Mein liebstes Bild

Nur ein Mädchen besteht darauf, uns von ihrem Bild zu erzählen, da sie es „extra zu diesem Thema mitgebracht hat“. Sie legt das Bild in die Mitte und beschreibt nun die Details und auch die Maltechnik. Ihre Landschaft mit drei Menschen (eine Person ist sie selbst), drei Schmetterlingen, einem Regenbogen, einem Hasen und einem Vogel wirkt idyllisch. „Und dann hab‘ ich bis abends gemalt und am nächsten Tag im Hort habe ich weitergemalt. Und das ist mein liebstes Bild,“ schließt sie ihren Bericht. Nun sind die anderen nicht mehr zu halten und strömen an die Arbeitstische. Fast alle wissen sofort, was sie malen wollen und was sie dafür brauchen. Wir assistieren. Wasser für die Aquarellstifte wird in Schalen gefüllt. Unser Junge klebt seine Krake ein. Ein Mädchen zeigt ihre durchgepauste Hexe Lilli, die ihr gar nicht gefällt.

Was mir zunächst nicht gefiel, wird mein liebstes Bild

Einige Linien sind ihr verrutscht. Wir regen an, die Zeichnung noch weiter auszuarbeiten und das Bild zu kolorieren. Bei der Künstlerin Claudia Rößger hätte man auch noch die Linien gesehen, gegen die sie sich letztendlich entschieden hätte. Wir fänden das spannend, weil man doch so gleich mehrere Bilder in einem sehen würde. Die nächste Stunde ist das Kind ganz vertieft in ihr Tun. Das Ergebnis verblüfft uns. Traumgleich hingehaucht schauen wir in die pastellfarbene Ideenwelt der Hexe Lilli. Die suchenden Linien spiegeln den Kraftaufwand wieder, den ein solch kreativer Akt erfordert. „Und heute habt ihr mir fast gar nicht geholfen!“, triumphiert die kleine Künstlerin. Wir stimmen zu und wissen genau, dass sie gerade an ihr verzweifeltes Ringen um ihr Bild am Faschings-Salon denkt (siehe 3. Salon 2012).

Ein Kind zeigt uns ihre Art Bilder zu erfinden: Sie übersät zunächst das Blatt mit Punkten, die sie anschließend verbindet. „Und dann schaue ich auf das Bild und überlege mir, was das sein könnte.“ Und genau das tut sie dann auch. Unserer „8-Welt“-Zeichnerin (siehe 22. November 2011) haben wir zwei kleine kopierte Bilder von Antoni Tàpies und ein Porträt des Künstlers mitgebracht. In ihrem wiederholt artikulierten Hang zu Zahlenmetaphorik, abstrakten Formen, aber auch zu abstrakten Bildern (siehe „Das rote Haus verschluckt das Meer“am 20. Dezember 2011) zeigen sich Parallelen zum Werk des spanischen Informell-Malers. Wir stellen ihr den Künstler kurz vor und fragen, ob ihr die Bilder gefallen. Sie lächelt und möchte sie gleich in ihr Phil, Sophie & Co-Tagebuch einkleben. Zunächst möchte sie aber den Namen des Künstlers schreiben. Das Mädchen neben ihr, hilft ihr bei der Anordnung von Bild und Schrift. Wir freuen uns über diese sensible Kommunikation. Zumeist sind die anderen Kinder eher irritiert von den nicht-figurativen Bildern. Nun ist es eher ein Staunen und ein Interesse. Als die Bilder eingeklebt sind, möchte die Malerin, dass wir ihr Bild fotografieren. Die Leerstelle über dem „Blau, was das Rot trifft“, möchte sie im nächsten Salon gestalten. Als ihre Mutter kommt, sagt sie leise: „Ich möchte noch mehr Bilder von dem Künstler sehen.“ Wir versprechen, ein Buch auszuleihen und es mitzubringen.

Auch der berühmte spanische Künstler Antoni Tàpies baut ein rotes Haus am Meer

Resümee:

Die Schritte von einer ersten Ideenfindung hin zur Visualisierung, sind den Kindern nun sowohl über die figurative Zeichnung (Birgit Rieger), als auch über die frei-geschwungene Linie (Viktor Krowas) oder ein Vernetzen von Punkten (Heima) vertraut. Um an die sichtbare Freude der Kinder an einer Optik des Verschwimmens anzuknüpfen und den Mut zum experimentellen Malen zu fördern, haben wir heute entschieden, dass wir mit den Kindern nach den Ferien ausgewählte Werke der derzeit in der Nationalgalerie gezeigten Bilder von Gerhard Richter per Powerpoint anschauen werden. Leider ist die Ausstellung bereits ausgebucht, so dass wir sie nicht direkt besuchen können. Auf Korrespondenzen zwischen den Werken bildender Künstler und den Bildern der Kinder wollen wir auch in Zukunft eingehen. So selbstverständlich wie sie sich mittlerweile mit ihren Ideen in der Geschichte des Philosophierens verorten, so möchten wir ihnen auch eine nachhaltige Wertschätzung gegenüber ihren Bildern vermitteln.

Mein eigener Phil von Phil, Sophie & Co

6. Salon: Im Phil, Sophie & Co-Atelier. Wir blicken zurück.

Ziel des Salons:

Da die Kinder in den letzten zwei Salons sehr viele neue Informationen bekommen und neue bildkünstlerische Techniken gelernt haben, möchten wir uns heute Zeit für ihre Wahrnehmungen und Erinnerungen nehmen und das Gelernte vertiefen.

Ablauf des Salons:

Wir starten unseren Salon mit unserem Begrüßungsritual „Wir sind ein starkes Team!“ Zum ersten Mal benutzen alle Kinder die Langform der Begrüßung in verschiedenen Sprachen. Chinesisch, Englisch und Italienisch werden favorisiert. Ein eher zurückhaltendes Mädchen ergänzt den serbisch bzw. kroatischen Gruß „Dobar dan“. Sie hatte bisher nicht erzählt, dass Ihre Mutter die Sprache spricht. Wir freuen uns!

In der Mitte des Kissenkreises liegen heute noch einmal die Bücher zum Affenkönig und die „Hexe Lilli“ in elf Sprachen. Weil wir von den letzten zwei Salons noch so viele Ideen und Bilder im Kopf haben, machen wir einen Ateliertag, erklären wir den Kindern. Auf die Frage, was man denn in einem Atelier (den Begriff erklären wir) macht, antworten die Kinder ohne Anstrengung: malen, zeichnen, kleben, schneiden, reißen und falten. Wir ergänzen, dass man als Künstler ja zuerst nachdenken müsse, was man machen möchte und fragen: „Was ist Euch vom Affenkönig und der Hexe Lilli in Erinnerung geblieben? Was ist Euch wichtig? Was möchtet ihr noch wissen? Unser Junge ist nicht zu bremsen. In allen Details und mit Differenzierungen zwischen den Bildern in den verschiedenen Büchern gibt er die Geschichte wieder. „Und weil der Affenkönig übermütig war, wurde er 500 Jahre unter einem riesigen Berg eingesperrt“, schließt er. „Ja, 500 Jahre!“, unterstützt ihn ein Mädchen. Ein anderes: „Ich fand toll, als er unter Wasser war und den Zauberstab geholt hat.“ Wir sind überrascht, wie genau sich die Kinder erinnern, da sie während des Erzählens doch recht ungeduldig wirkten. Wir fragen, wie der Affenkönig denn wieder frei gekommen wäre? Unser Junge mit leuchtenden Augen: „Er hat versprochen, dass er sich bessert und dann hat er den Mönch auf der Reise beschützt und gegen die Bösen gekämpft.“ Wir ergänzen, dass ihn die Göttin der Gnade befreit hätte und der Mönch Tripitaka hieß. Dann wiederholen wir die Bedeutung der buddhistischen Sutren.

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Wir schauen uns noch einmal die „Hexe Lilli“–Bücher an, die uns Birgit Rieger ausgeliehen hat. „Das Buch heißt gar nicht ‚Hexe Lilli‘!“, protestiert ein Mädchen. „Das auch nicht!“, ruft ein anderes. Sie ziehen die einzelnen Buchstaben zusammen: „Kika“ (spanisch), „Tina“ (katalanisch) und „Martina“ (italienisch) lesen sie vor. Wir ergänzen die Länder. Die Kinder unterhalten sich darüber, welchen Namen sie besser finden. Unser Junge legt die asiatischen und die israelische Ausgaben zusammen: „Die kann man gar nicht lesen!“, stellt er fest und zeigt dann auf die chinesische: „Das ist Chinesisch, wie beim Affenkönig!“, sagt er stolz. Dann vergleichen sie die Abbildungen (groß-klein, schwarzweiß-bunt), die Schriftästhetik, Schriftmenge pro Seite und die Papierhaptik (rau-glatt). Wir staunen über die wissenschaftliche Herangehensweise der Kinder. Dann wiederholen wir zusammen die Arbeitsschritte von Birgit Rieger. Empörungsrufe eines Mädchens: „Birgit heißt doch ‚bienenfleißigen Birgit‘“! Wir lachen und geben ihr Recht. Die Kinder können sich genau erinnern. Wir erklären, dass wir die Technik des Kopierens heute mit Blaupausen- und Butterbrotpapier ausprobieren wollen und wechseln an die Mal- und Basteltische. Bis auf zwei Kinder sind alle nach einmaligem Vormachen ins Zeichnen vertieft. Stille Geschäftigkeit kehrt ein. Einige entscheiden sich für „Hexe Lilli“-Vorlagen, die sie abwandeln, einige pausen eigene Bilder durch. Ein Mädchen: „Zuhause habe ich alle Bilder aus meinem „Hexe Lilli“-Buch durchgepaust!“ Sie tauscht die Hexe auf dem Rücken eines Seepferdchens gegen eine Meerjungfrau aus. Ein anderes Kind schneidet ihre Hexe aus und klebt sie auf ihr Tagebuch. Völlig überrascht stellt ein Kind fest, dass all die Farben, mit denen sie auf die Blaupause gemalt hat, weg bzw. blau sind. Kurzerhand koloriert sie die Herz-Zeichnung nach und ist zufrieden.

Unser Junge und ein Mädchen wollen nicht malen und sich lieber die chinesisch-sprachigen Affenkönig-Comics anschauen. Sie sitzen auf dem Sofa und erzählen sich gegenseitig, was sie auf den Bildern sehen. Nach einiger Zeit schlagen wir vor, dass sie den Namen des Affenkönigs ja in chinesischen Schriftzeichen in ihre Phil. Sophie & Co-Bücher schreiben könnten. Sie zögern zweifelnd und stimmen dann doch zu. Strich für Strich machen wir es vor und sie nach. Aus dem „Das kann ich nicht!“ unseres Jungen werden goldene Schriftzeichen. Nahezu zwei Stunden dauert unser Salon heute. Ein Mädchen, das wir in den Hort zurückbringen, erzählt in Gedanken versunken: „Manchmal ist die Zeit langweilig. Beim Philosophieren ist die Zeit immer zu kurz.“  Wir stimmen zu, erklären, dass es das schöne Wort „kurzweilig“ gäbe, was aber selten jemand benutzt. Ihr gefällt das Wort und sie wiederholt es genießerisch.

Resümee:

Die Atelier-Salons – im letzten Schulhalbjahr nannten wir sie Werkstatt-Salons – erweisen sind als wichtige Reflexionspausen für die Kinder und uns. Mittlerweile sind unsere kleinen Philosophinnen und unser kleiner Philosoph so eigenständig in ihrem Forscherdrang, dass wir zu ihren Assistenten werden. Jeder neue Begriff wird umgehend erfragt! Dass sich Menschen wie die Künstlerin Claudia Rößger, der Philosoph Hans Feger und die Illustratorin Birgit Rieger für sie interessieren, stärkt ihr Selbstvertrauen. Unser Wunsch, mit dieser Kindergruppe auch im nächsten Schuljahr weiterzuarbeiten – und, wenn finanzierbar – eine zweite Gruppe für die Kinder auf der Warteliste zu eröffnen, erscheint mit jedem Salon sinnvoller. ‚Bildungsferne‘ würde für sie alle ein Wort, das nichts mit ihnen zu tun hätte.

3. Salon: Helau! Heute bin ich, wer ich sein will!

Ziel des Salons:

  • Stärkung des interkulturellen Interesses durch unser erweitertes Begrüßungsritual “Wir sind ein starkes Team!“
  • Förderung von Selbstreflexion und Empathie durch die Frage „Was verbinde ich mit der Gestalt, in die ich mich verwandelt habe und was mit der eines anderen Kindes?“
  • Förderung der Experimentierfreude durch die ungewohnte Bildästhetik des Collagierens mit gerissenem Transparentpapier.

 

Ablauf des Salons:

Wir erweitern unser Spiel „Wir sind ein starkes Team!“ durch die Anregung, ein Begrüßungswort in einer anderen Sprache hinzuzufügen. Hello, Ciao, Salut und Ni hao sind die ersten Vorschläge. Ein Mädchen überlegt, was „Hallo“ auf Arabisch heißt. „Wenn die Männer oder Frauen sich begrüßen, sagen die immer so was, aber ich hör‘ da nicht zu.“ Wir schlagen vor, dass sie vielleicht doch mal genau hinhört. Sie stimmt freudig zu und versinkt ins Grübeln. Ein anderes Kind wirft ein: „Meine Oma kommt aus Kroatien. Die ruf ich an und frag mal, was da „Hallo“ heißt. Ihre Vorrednerin hüpft auf dem Kissen: „Jetzt weiß ich´s, die sagen ‚Marhaba‘.“ Wir fragen, ob das türkische ‚Hallo‘ nicht ähnlich klingt? Das Mädchen mit türkischem Familienhintergrund zückt die Schultern. Das arabischstämmige Mädchen ist euphorisch: „Mein Papa ist ganz oft in der Türkei, der kann ganz toll Türkisch!“

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In der nächsten Runde erzählt jedes Kind von seinem Kostüm. Die himmlische Heima ist heute Schneekönigin. „Das hab ich auf einem Gauklermarkt gesehen. Die war so schön.“ Die durstige Dragana ist Cowgirl mit allem was dazugehört, kann aber nicht sagen warum. Wir machen Vorschläge. Nein, reiten möchte sie nicht, auf Menschen schießen auch nicht. Wichtiger ist ihr der glänzende Stern und der coole Gang. Die lustige Luna ist gelbglänzende Löwin: „Ich spiel‘ immer Löwe, jetzt wollte ich da mal reinschlüpfen.“ Die lachende Lulu ist „Bäuerin“: „Ich war in der Schule und meine Mama hat das Kleid gekauft. Jetzt bin ich Bäuerin, weil ich gerne baue.“ Sie zeigt auf die teuflische Theresa und sagt: „Und jetzt will ich Dich neu bauen!“ Sie lacht. Als wir ergänzen, dass Bäuerinnen ja auch auf einem Bauernhof leben usw. interessiert sie das nicht sonderlich.

Am Mal- und Basteltisch merkt man den Kindern die Erschöpfung vom vormittäglichen Feiern an. Die Löwin will ganz genau ihr Kostüm rekonstruieren und verzweifelt mehrfach. Wir erinnern an die Künstlerin Claudia Rößger, die uns erzählt hat, wie sie um ihre Bilder ringt und muntern sie immer wieder auf. Am Ende ist sie stolz auf ihr Bild. Zwei Kinder nehmen die Anregung, eine Collage aus gerissenem Transparentpapier zu kleben mehr oder weniger auf und integrieren die Technik in ihre Bilder. Das Cowgirl malt ihren Kopffüssler mit größter Sorgfalt. Dann schneidet sie – mit etwas Hilfe-  rotes Transparentpapier in Stückchen und klebt sie über die Figur: „Fertig!“ Ihr rotkariertes Hemd und die Roten Bordüren ihrer Weste machen alle Fragen überflüssig. Unsere Bäuerin, die eine begeisterte Malerin ist, schluchzt bei dem Versuch sich selbst aus gerissenen Transparentpapier-Stückchen darzustellen: „Die Haare sind doof. Der Kopf ist zu klein und die Beine zu dick!“ Sie ist am Ende ihrer Kräfte. Auch Zureden hilft nicht. Das Weinen wird heftiger. „Nein“, pausieren will sie nicht. Sie droht damit, die Seite aus ihrem Buch zu reißen oder gar das Buch wegzuwerfen, in das sie zahlreiche Bilder und die Namen ihrer Familienmitglieder gemalt und geschrieben hat. Uns kommt der Verdacht, dass es ihr schwer fällt, die ästhetische Eigenart der Reißtechnik anzunehmen. Zumeist werden Kinder für eine ‚ordentliche Optik‘ gelobt und dafür nicht über vorgezeichnete Linien zu malen. Auf diesen Aspekt wollen wir unbedingt zurückkommen. Heute ist das Kind für eine solche Auseinandersetzung viel zu erschöpft und es gilt schlicht, sie zu unterstützen. Daher erklärt sich eine von uns zur Assistentin. Millimeter für Millimeter reißen wir kleine Stückchen Papier, die sie dann selbst aufklebt. Unsere positive Beurteilung des Bildes soll ihr die Zuversicht geben, dass es so ‚richtig‘ ist. Die Zeit ist weit fortgeschritten und die meisten Kinder haben sich bereits verabschiedet. Nur die Schneekönigin gestaltet seelenruhig ein Bild nach dem anderen mit abstrakten Formen. Dann ist auch unsere Bäuerin zufrieden. Wir atmen auf.

 

Resümee:

Das Interesse der Kinder an den Herkunftssprachen ihrer Eltern und Großeltern nimmt zu. Durch das Faschingsthema haben sich die Kinder selbst und auch die anderen von einer neuen Seite kennen gelernt. Unser Angebot, sich mit einer neuen künstlerischen Technik auseinanderzusetzen hat ein Kind an die Grenzen der eigenen ästhetischen Flexibilität gebracht. Wir werden deshalb in unserem Salon „Was ist mein liebstes Bild?“ auf die Frage „Gibt es ein ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ in meinen Bildern?“ zurückkommen.

2. Salon: Danke-Sagen macht glücklich und schafft Freunde! (Exkursion)

Ziel des Salons:

    • Stärkung des Teamgeists durch ein gemeinsames Ziel und durch die gemeinsame Erkundung eines fremden Ortes.
    • Emotionale Erfahrung: Wie fühlt es sich an, sich bei jemandem zu bedanken, den man nicht kennt?
    • Transkulturelle Erfahrung: Wie klingt „Danke-Sagen“ in anderen Sprachen, z. B. in der Heimatsprache meiner Eltern?
    • Horizonterweiterung: Wo kommen die Mal-und Bastelmaterialien her, die wir in unseren Salons benutzen? Was brauchen Künstler für ihre Arbeit?

Danke-Schön-Collage

Ablauf:

Die Kinder sind aufgeregt und sammeln sich um die Danke-Schön-Collage. Jeder sucht seinen Beitrag. Die beiden Mädchen, die gefehlt haben, tragen ihre Namen ein. Während wir noch auf zwei Kinder warten, wiederholen wir das Spiel „Wir sind ein starkes Team!“. Alle können sich an ihre Namen und die der anderen erinnern! Vor dem Einsteigen in die Taxis, ziehen sich die Kinder einen Zettel, der entweder eine „Marzipankleber“-Dosen zeigt oder einen Stift. Demensprechend gibt es das „Stifte-Taxi“ und das „Kleber-Taxi“.

In dem Stifte-Taxi zeigen sich die Kinder gegenseitig, wo sie wohnen und wiederholen „Danke Schön“ in verschiedenen Sprachen. Als wir das „r“ von „Schukran“ nicht ausreichend rollen, werden wir von einem Mädchen freudig korrigiert. Im „Kleber-Taxi“ reden die Kinder euphorisch durcheinander. Wir machen ein Spiel, das die Aufmerksamkeit füreinander schärft. Die Kinder zählen nacheinander von 1 bis 7. Die Herausforderung dabei ist, dass es keine festgelegte Reihenfolge gibt. Wenn ein Kind also die nächste anstehende Zahl nennen möchte, muss es darauf achten, dass es nicht gleichzeitig mit jemandem spricht. Die Kinder sind konzentriert und bester Stimmung. Sie erkennen, dass sie dem Gegenüber durch ihre Gestik und durch Blickkontakt Signale senden können.

Am Ziel angekommen machen wir ein Gruppenfoto. Als der Absender des Pakets die Kinder begrüßt und sich die Collage anschaut, gesellen sich alle zu ihm und erklären ihm die Bilder, nennen ihre Namen und wiederholen „Danke Schön!“ in verschiedenen Sprachen: Schukran,Teşekkür, Thank you, Merci, Grazie und Xiexie. Zur „Schule von Athen“ und zum „Salon der Madame Geoffrin“ sagt ein Mädchen mit dem Finger darauf zeigend: „Das ist schon ganz lange her, das nicht ganz so lange und heute sind wir die Philosophen.“

Murmelbahn

Nachdem wir die Kugelbahn und das im Geschäft hängende Relief von Berlin angeschaut und unsere Schule darauf gefunden haben, begibt sich die „Kleber-Gruppe“ auf die Suche nach den entsprechenden Dosen, die „Stifte-Gruppe“, sucht Stifte, die sie aus unserem Salon kennt. Auf den Wegen durch das Geschäft bilden sich Kleingruppen, die staunend und  betastend bei Pinseln, verschiedenen Papiersorten und Styroporformen stehen bleiben. Einige haben konkrete Ideen, was sie gerne damit basteln würden. Insbesondere die Wand mit den verschiedenfarbenen Kreiden begeistert sie. Unser Junge fragt vor dem Farbenregal den Fotografen nach dessen Lieblingsfarben. Zurückgefragt zeigt er auf ein dunkles Blau, Braun und Schwarz. „Meine Mutter gibt mir immer Farben zu essen“, erzählt er. Auf die verwunderte Reaktion des Fotografen fügt er hinzu: „Die sind aber nicht giftig!“ Ihm scheint die Aussage nicht weiter erklärungsbedürftig.

Resümee:

Obwohl unser Ausflug nur kurz war, führte er dazu, dass sich Kinder miteinander unterhalten, die sonst weniger im Austausch stehen. Unsere Mädchen mit türkischem und arabischem Familienhintergrund spüren zunehmend, dass die Sprache ihrer Eltern, die sie nur sehr gegrenzt kennen, ein Gewinn für das Gespräch der Gruppe ist.

Was alle Kinder unseres Salons teilen, ist die Begeisterung für Farben und anderen Materialien des bildnerischen Ausdrucks.