Sind Pflanzen lebendig? (Exkursion)

Heute geht’s in die naheliegende Gärtnerei am Kreuzberg. Wir erzählen den Kindern, dass der Gärtner sich extra für uns Zeit nimmt und wir ihm deshalb etwas mitbringen möchten. Also kleben wir unser Gruppenfoto vom Besuch bei der Künstlerin Claudia Rößger auf eine Karte, alle Kinder unterschreiben und ein Mädchen malt eine wunderschöne Blume dazu. Ein anderes Mädchen blättert währenddessen in ihrem Phil, Sophie & Co-Buch. Dort hat sie die Seite mit der Frage  „Wo wohnt die Seele? und dem Umriss eines Menschen aufgeschlagen. Alle sind schon angezogen und wollen los. „Was ist die Seele?“ fragt sie ganz unbeirrt. Wir sind begeistert, wissen aber auch, dass es hier keine Ein-Satz-Antwort gibt: „Das ist eine spannende und eine wichtige philosophische Frage, die man aber nicht in einem Satz beantworten kann. Wir versprechen Dir, dass wir beim nächsten Mal darauf zurückkommen.“

Die Kinder rennen durch den Park. Im Gewächshaus der Gärtnerei angekommen, wollen sie dem Gärtner zunächst gar nicht zuhören und erst einmal alles anschauen. „Kann man die essen?“ fragt ein Kind und zeigt auf einen Kräuterbusch. Er nickt, die Kinder zupfen Blättchen ab und probieren Majoran. Den meisten schmeckts. Es gibt aber auch ein „iii“. Wir fragen, was die Pflanzen alles brauchen, um gut wachsen zu können? „Wasser, Sonne, Erde, Dünger“, kommen die Antworten. Der Gärtner erzählt, dass viele Pflanzen hier überwintern, weil sie den Frost nicht vertragen. Sie machen quasi Winterurlaub. „Ein Hotel für Pflanzen also“, sagen wir. „Ein Zoo für Pflanzen“, ruft ein Mädchen. Die Kinder kriechen durch die Gänge. Ein Mädchen holt uns in eine versteckte Ecke: „Hier stinkts“, sagt sie und strahlt. Wir riechen nichts. Sie zeigt auf die Palme und wiederholt: „Die stinkt!“ Sie ist sichtlich begeistert.

Wir versammeln uns für unsere Mandarinen-Runde auf einem Podest. Als alle mit Schälen und Essen beschäftigt sind, erzählen wir die Geschichte „Im Garten“ aus „Das große Buch von Frosch und Kröte“ (Arnold Lobel), in der die phantasievollen, aber auch ungeduldigen Versuche der Kröte beschrieben werden, die ihr vom Frosch geschenkten Samen zum schleunigen Wachsen zu animieren. Die Kinder erzählen sich, wer einen Hof, wer einen Garten und wer Blumen Zuhause hat. „Wir haben nur Plastikblumen“, erzählt ein Kind. Während des Vorlesens sagt ein Mädchen einfühlend: „Die können nicht so schnell wachsen.“ Als die Kröte mutmaßt, dass die Samen nachts Angst haben könnten, raunen die Kinder: „Die sind doch nachts auch hier drin, die können doch nicht weglaufen.“ Bei der Frage, ob Pflanzen denn schneller wachsen würden, wenn man mit ihnen spricht, gehen die Meinungen auseinander. „Ich spreche mit meinem Baum, aber ich weiß nicht, ob der mich versteht“, sagt ein Mädchen.

Der Gärtner kommt. Wir machen ein Gruppenfoto und überreichen ihm unsere Karte. Danach teilen wir uns in kleine Gruppen auf. „Sind Pflanzen lebendig?“, fragen wir. „Ja“, und „Nein“ mischt sich. Wir stehen vor einem Bambus, der unten gelbe, welke Blätter hat und oben kräftig-grüne. „Die unten sind unglücklich, die oben glücklich“, sagt ein Mädchen. Alle gucken. Einige „Nein“-Sager kommen ins Wanken, ein Mädchen nicht. „Was bedeutet denn ‚lebendig‘, bist Du lebendig?“, fragen wir. Sie überlegt: „Nein, lebendig ist, wenn man so ist wie ein Geist.“ Ein anderes Mädchen kontert: „Pflanzen sind lebendig und Kinder sind auch lebendig. Aber anders. Die Menschen können laufen, aber die Pflanzen nicht.“ „Ob es den Pflanzen wohl weh tut, wenn man sie schneidet“, fragen wir. „Jaaa“, antworten erstaunlicherweise beide Mädchen. Bei der Frage, ob Pflanzen eine Seele haben, sagen sie erst „Ja“, entscheiden sich dann aber doch für „Nein“. Der Gärtner ist anderer Meinung.

Der Gärtner zeigt Zitronen- und Bananenbäume. Die noch grünen Minibananen stoßen auf großes Interesse. „Ich kenn einen Frikadellen-Baum“. „Wachsen die auf Bäumen?“, fragen wir. „Äh, Mirabellen-Baum“ mein ich. Ein Kind zerkrümelt die Erde mit den Fingern und ist irritiert, wie klebrig sie sich anfühlt: „iiii“. Ein anderes möchte Erde mit der Schaufel hin und hertragen. „Man stellt Pflanzen ans Fenster, weil sie Licht brauchen“, sagen wir. „Gilt das für Kinder auch?“ Ein Mädchen: „Manchmal stelle ich mich selber ans Fenster. Bei uns ist ganz schön viel Schatten.“ Alle suchen sich eine Blüte oder ein Blatt für ihr Phil, Sophie & Co-Buch.

Auf dem Rückweg durch den Park beginnen wir eine „Wenn-ich-eine-Pflanze-wäre-Runde“. Ein Mädchen möchte ein Baum sein. Ein anderes Kind wäre gerne eine Rose. „Weil die so schön sind.“ Die Vorrednerin: „Dann möchte ich ein Baum mit Blüten sein.“

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