7. Salon: Was ist mein liebstes Bild!

Ziele des Salons:

  • Vertiefung der Genese eines Bildes. Wie wird aus einer Idee ein Bild?
  • Selbstreflexion: Was ist mein liebstes Bild und welche Technik ist für die Visualisierung meiner Idee passend?
  • Horizonterweiterung und Stärkung des Selbstvertrauens: Verortung der eigenen Bilder in der Welt der Kunst
  • Resümee: Welche Bilder in meinem Phil, Sophie & Co-Tagebuch gefallen mir, welche möchte ich überarbeiten, damit sie mir gefallen?

Ich bin Tintenfisch-Tarik

Ablauf des Salons:

Unsere ca. 20-minütige Vorbereitungs- bzw. Umgestaltungsphase der Bibliothek (siehe Kommentar 2012: Rituale der Phil, Sophie und Co-Salons) nutzt insbesondere unser kleiner Philosoph für einen intensiven Austausch mit uns. Da er erst im laufenden letzten Halbjahr dazukam, können wir ihn in dieser Zeit anregen, sich mit den Seiten in seinem Phil, Sophie & Co-Tagebuch zu beschäftigen, die bei den anderen Kindern schon gestaltet sind. Heute ermuntern wir ihn, sich eine Form der Selbstdarstellung für die erste Seite zu überlegen. Nein, er möchte sich nicht so malen, wie er wirklich ist. Er möchte einen Tintenfisch malen, weil er doch der „Tintenfisch-Tarik“ ist. Erst traut er sich dies nicht zu, aber nach einem nur angedeuteten und sehr einfachen Umriss von uns, malt er differenzierend weiter. Danach startet er gleich sein zweites Bild: „Jetzt male ich eine Krake, die hat aber einen spitzen Kopf!“ Er malt konzentriert, während wir um ihn herumräumen. Als weitere Kinder eintreffen, setzen sie sich gleich an den Tisch und in kürzester Zeit entstehen mehrere bunte Kraken. Unser Junge genießt das Interesse.

Im Kissenkreis begrüßen wir unseren Besuch, eine Praktikantin der Schule. In unserem Spiel „Wir sind ein starkes Team“ ist sie die „irre Iris“. Das Kind, das beim letzten Mal mit „Dobar dan“ gegrüßt hat, weiß heute auch, wie die Heimat ihrer Mutter heißt: Serbien. Sie wählt auch in dieser Runde die Sprache. Ansonsten ist „Bonjour“ sehr beliebt. Wir erklären die Wortanteile „bon“ und „jour“.

In der Mitte des Kissenkreises liegen heute ein Skizzenbuch und eine Zeichnung mit mehreren Gesichtern, die sich aus geschwungenen Linien formieren. Wir schauen die Skizzen nacheinander an. Ein Mädchen fragt verwundert: „Aber da sich ja gar keine Menschen in dem Buch?“ Wir erinnern an Birgit Rieger, wie sie ihre Hexe Lilli erfunden hat. Ein anderer Weg, seine Ideen sichtbar zu machen, wären Formen und Linien, ganz ohne Menschen, erklären wir. Wir verweisen auf die Ornamente eines Mädchens im Kreis. Sie freut sich über die Aufmerksamkeit. Als wir dann nach den liebsten Bildern der Kinder fragen, wollen die meisten Kinder sie lieber malen, als darüber reden.

Mein liebstes Bild

Nur ein Mädchen besteht darauf, uns von ihrem Bild zu erzählen, da sie es „extra zu diesem Thema mitgebracht hat“. Sie legt das Bild in die Mitte und beschreibt nun die Details und auch die Maltechnik. Ihre Landschaft mit drei Menschen (eine Person ist sie selbst), drei Schmetterlingen, einem Regenbogen, einem Hasen und einem Vogel wirkt idyllisch. „Und dann hab‘ ich bis abends gemalt und am nächsten Tag im Hort habe ich weitergemalt. Und das ist mein liebstes Bild,“ schließt sie ihren Bericht. Nun sind die anderen nicht mehr zu halten und strömen an die Arbeitstische. Fast alle wissen sofort, was sie malen wollen und was sie dafür brauchen. Wir assistieren. Wasser für die Aquarellstifte wird in Schalen gefüllt. Unser Junge klebt seine Krake ein. Ein Mädchen zeigt ihre durchgepauste Hexe Lilli, die ihr gar nicht gefällt.

Was mir zunächst nicht gefiel, wird mein liebstes Bild

Einige Linien sind ihr verrutscht. Wir regen an, die Zeichnung noch weiter auszuarbeiten und das Bild zu kolorieren. Bei der Künstlerin Claudia Rößger hätte man auch noch die Linien gesehen, gegen die sie sich letztendlich entschieden hätte. Wir fänden das spannend, weil man doch so gleich mehrere Bilder in einem sehen würde. Die nächste Stunde ist das Kind ganz vertieft in ihr Tun. Das Ergebnis verblüfft uns. Traumgleich hingehaucht schauen wir in die pastellfarbene Ideenwelt der Hexe Lilli. Die suchenden Linien spiegeln den Kraftaufwand wieder, den ein solch kreativer Akt erfordert. „Und heute habt ihr mir fast gar nicht geholfen!“, triumphiert die kleine Künstlerin. Wir stimmen zu und wissen genau, dass sie gerade an ihr verzweifeltes Ringen um ihr Bild am Faschings-Salon denkt (siehe 3. Salon 2012).

Ein Kind zeigt uns ihre Art Bilder zu erfinden: Sie übersät zunächst das Blatt mit Punkten, die sie anschließend verbindet. „Und dann schaue ich auf das Bild und überlege mir, was das sein könnte.“ Und genau das tut sie dann auch. Unserer „8-Welt“-Zeichnerin (siehe 22. November 2011) haben wir zwei kleine kopierte Bilder von Antoni Tàpies und ein Porträt des Künstlers mitgebracht. In ihrem wiederholt artikulierten Hang zu Zahlenmetaphorik, abstrakten Formen, aber auch zu abstrakten Bildern (siehe „Das rote Haus verschluckt das Meer“am 20. Dezember 2011) zeigen sich Parallelen zum Werk des spanischen Informell-Malers. Wir stellen ihr den Künstler kurz vor und fragen, ob ihr die Bilder gefallen. Sie lächelt und möchte sie gleich in ihr Phil, Sophie & Co-Tagebuch einkleben. Zunächst möchte sie aber den Namen des Künstlers schreiben. Das Mädchen neben ihr, hilft ihr bei der Anordnung von Bild und Schrift. Wir freuen uns über diese sensible Kommunikation. Zumeist sind die anderen Kinder eher irritiert von den nicht-figurativen Bildern. Nun ist es eher ein Staunen und ein Interesse. Als die Bilder eingeklebt sind, möchte die Malerin, dass wir ihr Bild fotografieren. Die Leerstelle über dem „Blau, was das Rot trifft“, möchte sie im nächsten Salon gestalten. Als ihre Mutter kommt, sagt sie leise: „Ich möchte noch mehr Bilder von dem Künstler sehen.“ Wir versprechen, ein Buch auszuleihen und es mitzubringen.

Auch der berühmte spanische Künstler Antoni Tàpies baut ein rotes Haus am Meer

Resümee:

Die Schritte von einer ersten Ideenfindung hin zur Visualisierung, sind den Kindern nun sowohl über die figurative Zeichnung (Birgit Rieger), als auch über die frei-geschwungene Linie (Viktor Krowas) oder ein Vernetzen von Punkten (Heima) vertraut. Um an die sichtbare Freude der Kinder an einer Optik des Verschwimmens anzuknüpfen und den Mut zum experimentellen Malen zu fördern, haben wir heute entschieden, dass wir mit den Kindern nach den Ferien ausgewählte Werke der derzeit in der Nationalgalerie gezeigten Bilder von Gerhard Richter per Powerpoint anschauen werden. Leider ist die Ausstellung bereits ausgebucht, so dass wir sie nicht direkt besuchen können. Auf Korrespondenzen zwischen den Werken bildender Künstler und den Bildern der Kinder wollen wir auch in Zukunft eingehen. So selbstverständlich wie sie sich mittlerweile mit ihren Ideen in der Geschichte des Philosophierens verorten, so möchten wir ihnen auch eine nachhaltige Wertschätzung gegenüber ihren Bildern vermitteln.

Mein eigener Phil von Phil, Sophie & Co

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Wo war ich, bevor ich geboren wurde?

Ob es einem nun passt oder nicht: Die längste Zeit auf der Erde hat es uns wohl nicht gegeben. Die meisten Dinge, die passiert sind, haben anscheinend ohne uns stattgefunden und wir haben zwar davon gehört, können uns aber nicht daran erinnern. Weil wir es nicht selbst erlebt haben.

Selbst Menschen, die uns nahe stehen, unsere Eltern zum Beispiel, haben prägende Erlebnisse gehabt, noch lange, bevor wir dabei sein konnten. Wir kamen erst danach. Aber seit wann genau gehören wir eigentlich so richtig dazu zur Welt? Und sind wir wirklich nur da, so lange wir denken, dass wir da sind? Oder erstreckt sich unsere Existenz über Geburt und Tod hinaus?

Zunächst sind sich alle Kinder im Salon einig, dass sie vor ihrer Geburt irgendwie in den Körpern ihrer Eltern waren, die meisten entscheiden sich für die Vorstellung, ein sehr kleiner Teil ihrer Väter gewesen zu sein. Ein Junge denkt diese Vorstellung weiter: „Es gibt mich also, seit es meinen Vater gibt“. „Nein“, widerspricht ein anderer, „dich gibt es erst seit deiner Geburt“. „Ich glaube“, vermutet der nächste, „so richtig gibt es mich erst, seit ich über mich selbst nachdenke. Das war mit fünf“. Dass es eine Zeit gegeben hat, die keine Kenntnis hatte von ihnen, ist allen Kindern in der Runde nicht so richtig geheuer.

Wir lesen die Geschichte „Das Fahrradurlaubsfoto“ aus Asa Linds „Zackarina und der Sandwolf“. Der Sandwolf erzählt darin von seiner Existenz als Stein. Für ein Foto von uns selbst basteln wir uns Bilderrahmen aus Papptellern und verzieren sie bunt. – Dass sie sich nicht aus Steinen entwickelt haben, steht für alle Kinder in der Runde außer Zweifel. Aber auf einen Zeitpunkt, ab wann es sie auf der Erde gibt, können sie sich immer noch nicht einigen. „Es gibt mich, seit meine Eltern sich ein Kind gewünscht haben“ bemerkt ein Mädchen, „denn ab dann hatte sie eine Vorstellung von mir“. „Aber mit einer Vorstellung kann man sich auch täuschen“, wirft ein Mädchen ein, „es gibt ja Kinder, die kommen ganz anders zur Welt, als die Eltern das dachten, und welche Vorstellung war das dann?“. „Vielleicht die von Gott“, meint ein Junge.

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Ist die Vorstellung, die wir von uns selbst haben, möglicherweise die Seele, die in uns wohnt? Wenn die Seele von uns ohne unseren Körper existieren kann, könnte es dann sein, dass wir vielleicht doch schon lange auf der Erde sind, viel länger, als wir uns erinnern können? Ein Junge schlägt vor, es könne ja sein, dass Adam und Eva einmal alle Seelen von allen Menschen hatten „und von da aus werden sie immer neu verteilt“. Ein anderer sieht es quasi umgekehrt: „Vielleicht ist die ganze Geschichte auch nur erfunden und die ersten Menschen sind jetzt wir“.

Bin ich eine Welle, ein Baum in einem dichten Wald oder vielleicht eine Blumenwiese?

Die Zauberblume

Die Zauberblume

In die Mitte des Kissenkreises stellen wir heute eine Kerze im Glas und hoffen, die doch am Anfang der Salons zumeist recht unruhigen Kinder etwas vorweihnachtlich-bedächtig zu stimmen. Für den Raumduft wählen wir ein ätherisches Öl, das nach Zimt und Orangen riecht. Die nacheinander eintreffenden Kinder schauen auf die Kerze und reden über das anstehende Weihnachtskonzert. Dann erinnern wir sie an die getrockneten Blüten aus dem Gewächshaus. Klebstoff und die Stifte stehen zur Verfügung. Wer seine Blüte vergessen hat, bekommt eines der von uns mitgebrachten Blättchen.

Als alle da sind, eröffnen wir den Salon mit einem Triangle-Klingen und sprechen bewußt leiser. Wir greifen die Frage aus dem Gewächshaus noch einmal auf: „Sind Pflanzen lebendig?“ Diesmal ist ein einhelliges „Ja“ die Antwort. Wir fragen, was denn noch alles lebendig ist. Es folgen: „Bäume, Büsche, Menschen, Kinder, Tiere – die Welt.“ Das Mädchen, das im Gewächshaus von lebendigen Geistern gesprochen hat, begründet ihre Aussage: „Im Traum hab‘ ich Geister gesehen, und da sind die lebendig.“ Ein anderes Mädchen hat ein Gedicht über eine Zauberpflanze mitgebracht und liest es vor. Ein drittes, recht leise sprechendes Kind, möchte ihr mitgebrachtes Buch zeigen. Da sie auf einem Hocker sitzt, rückt sie sich etwas mehr in die Mitte, fragt uns: „Bin ich jetzt im Kreis?“ und startet nach unserer Bestätigung: „Da sind lebendige Tiere drin.“ Sie zeigt Bilder mit Giraffen, Löwen usw. und ist sichtlich stolz. Ein Junge, der sich etwas abseits auf eine Bank gesetzt hat ruft: „Im Gewächshaus sind gar keine Tiere!“ Ein agiles Mädchen springt aufs Sofa und hüft: „Doch, Ameisen, Würmer und Flöhe und die sind lebendig, die springen!“ Sie lacht. „Na, dann sind die Pflanzen aber nicht lebendig, die bewegen sich nicht!“, kommt der Einwand von einem Kind. Ein anderes kontert wiederum: „Klar bewegen die sich, die wachsen ja und bewegen sich, wenn der Wind in sie reinbläst.“ Vorweihnachtliche Ruhe ade! Einige unserer Kinder können nur in Bewegung philosophieren, das ist eine sichtbare Tatsache.

Charakter-Karten

Wir legen die vorbereiteten „Charakter-Karten“ in die Mitte und fragen: „Welches Bild passt zu Euch, wie fühlt ihr Euch oder wie möchtet ihr sein?“ Wir verbalisieren die Karten: „Wie ein kräftiger Baum mit vielen Ästen und tiefen Wurzeln, oder ein kleines Bäumchen, umgeben von anderen? Wie eine starke Welle? Wie eine stolze Rose? […]“ Die Kinder überlegen länger. Der Junge von der Bank kommt in den Kreis, greift sich die Welle und entwischt wieder. Nacheinander begründen die Kinder ihre Entscheidung. Das „Tierbuch-Mädchen“ hat den buckligen asiatischen Berg gewählt: „Ich bin ein Berg, auf dem die Menschen wandern können.“ Sie schaut versunken auf ihre Karte. „Ich bin eine Unterwasserblumenwiese“, ruft ein Mädchen. Ein anderes: „Ich bin eine Rose und die Menschen freuen sich, weil ich so schön bin.“ Die Wahl eines gelb-roten Farbfeldes von Mark Rothko begründet unsere „Kugelmenschen-Malerin“: „Ich bin kein Sonnenuntergang, ich bin die Liebe.“ Auf Ansprache ruft unser „Wellen-Junge“: „Ich bin ein Tsunami, eine riesige Welle.“ Ob sich die Menschen denn noch retten könnten vor der Welle, fragen wir. „Die Piraten nicht, ich hasse Piraten“, er rennt einmal durch den Raum und setzt sich wieder. Keiner will seine Karte wieder abgeben, keiner will „mit einem Segelboot in die weite Welt“! Manche Kinder wollen nicht reden.

In einer zweiten Runde legen wir samtige, flauschige, raue, glitzrige und gold-edelsteinerne Karten in die Mitte. Die Kinder fühlen und schauen. Man sieht, dass sie ihre Wahl mehr spüren, als verbalisieren. Unseren „Wellen-Jungen“ holen wir zurück in den Kreis, nehmen ihn an die Hand, dann neben uns in den Arm. Das wirkt für ein paar Momente. Er greift zielsicher das braune Bärenfell und – ist gut gelaunt wieder auf seinem Außenposten. Auf die Bitte eines Mädchens kommt er zurück und leiht ihr für einen Fühl-Moment seine Karte. Das Angebot, selbst Karten zu gestalten – mit all dem Glitzer und Kuschel – lassen sich unsere Philosophen und Philosophinnen nicht zwei Mal machen. Da sind sich alle einig. Und schon Momente später ist es ganz still im Raum.  Es wird kaum geredet, alle malen, schneiden und kleben – auch der „Wellen-Junge“! 

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Als das Mädchen, das beim letzten Mal gefragt hatte, was die Seele sei, gerade mit einem Buch etwas abseits sitzt, kommen wir auf ihre Frage zurück. Sie freut sich und sagt, dass sie das jetzt schon weiß: „Gefühle!“ Wir sind erstaunt über die prägnante Antwort und erzählen noch etwas mehr von den verschiedenen Vorstellungen der Seele auf der Welt. Obwohl man die Seele nicht sehen könne, gäbe es aber doch Bilder, die sich die Menschen bereits vor mehr als 4000 Jahren von ihr machten. Wir zeigen ihr eine Konturzeichnung des Seelenvogels Ba aus dem ägyptischen Totenbuch. „Damals glaubte man, wenn ein Mensch stirbt, würde seine Seele als Vogel den Körper verlassen und weiterleben“, erklären wir. In diesem Moment kommt ihre Mutter, um sie abzuholen. Das Kind zeigt ihr fröhlich das Bild. Die Mutter ist ganz angetan von der bedächtigen Betriebsamkeit im Raum. Wir auch.

Es war einmal – Wie erkennt man, dass die Zeit vergeht?

„Es war einmal vor langer, langer Zeit, bestimmt vor deinem letzten Geburtstag, da lebte in dem großen Wald, der gleich hinter der Autobahn liegt, eine Fee” (aus: „Nee! Sagte die Fee” von Kirsten Boie). „Es war einmal“ – das klingt nach guter alter Zeit, aber Autobahn? Da weiß gleich jedes Kind, dass da was nicht stimmt. Kleine werden groß, Junge alt, Feen essen Müsli und wollen böse sein, und zum Versenden einer Nachricht brauchen wir längst keine Postkutsche mehr. Alles Zeichen, dass das Rad der Zeit sich dreht.

Um über dieses Phänomen zu philosophieren lesen wir als Einstieg das Märchen „Dornröschen“. Wie war das noch gleich? Dornröschen fällt in einen hundertjährigen Schlaf. Stell Dir vor, Dornröschen wäre vor 100 Jahren eingeschlafen und würde in unserem Zeitalter wieder aufwachen: Was hätte sich verändert? Würde es sich noch zurecht finden? „Die Leute von früher würden heute gut klarkommen, weil alles einfacher geworden ist“, sagt ein Mädchen, „zum Beispiel Strom, Autos, usw.“ Darüber entspinnt sich eine lebhafte Diskussion. Manches sei auch komplizierter geworden (mehr Telefonanbieter, etc.).

Kinder sagen, was Zeit für sie bedeutet: „Zeit ist Geld“, „Zeit ist hektisch“ aber auch „Zeit ist langsam und leise“ spiegelt die Bandbreite ihrer Assoziationen.

Anhand von alten Fotografien raten wie historische Berufe: „Der Mann hat kräftige Hände, mit denen arbeitet er wahrscheinlich“ (= Gepäckträger). Ein s/w Bild von ärmlich gekleideten Kindern ordnen die Kinder einer verganenen Zeit zu und sind überrascht, dass das heute ist, nur in einem anderen Land. Ein Bild zeigt eine Telefonzentrale und ein „antikes“ Telefon, das noch nicht mal eine Drehscheibe hat sondern nur eine Kurbel.

Zum Schluss dürfen die Kinder „Handys“ basteln, aus Blanko-Streichholzschachteln, Pfeifenputzern, Glitzerfolien und Plastikeiern. Die Kinder sind begeistert bei der Sache – kein Wunder, haben doch die Smartphones heute regelrechten Kultstatus. Die Aufgabe lautet, ein Handy zu basteln, wie es in 100 Jahren sein könnte. Aus den Eiern werden sofort I-Phones (Ei-Phones) gebastelt. Und die Kreativität tobt auch in andere Richtungen:  „Mein Handy hat einen kleinen Druiden, der sprechen kann“, „mein Handy fliegt immer neben mir, ich kann es nicht verlieren“, „meines kann Freunde erkennen“, usw.

Die Kinder erkennen spielerisch, wie sehr sie Kinder „ihrer“ Zeit sind,  wie unterschiedlich man Zeit empfinden kann und wie sehr sie unseren Alltag bestimmt. Die Stunde selbst ist auf jeden Fall nur so verfolgen.

Kann man Denken üben?

Unsere Gedanken gehören uns ganz allein – oder gehören wir zu unseren Gedanken? Es ist fast unmöglich, an gar nichts zu denken und manchmal verfolgt uns ein bestimmter Gedanke sogar bis in den Schlaf, obwohl wir ihn vielleicht viel lieber endlich vergessen würden. Werden unsere Gedanken schärfer, wenn wir uns länger damit befassen? Oder sind die spontanen Einfälle die besten? Kann man in einem Gedanken zuhause sein, und wenn ja: Hat dieses Zuhause eine Farbe?
Wir lesen aus „Zackarina und der Sandwolf“ und denken über das Denken nach. Anschließend kleben wir in unser Reisetagebuch Buchstaben ein, die zu unseren Lieblingsgedanken gehören.