12. Salon: Wo einst Soldaten wohnten. Exkursion zur Kunstkaserne am Südkreuz

Ziele des Salons:

  • Nachdem wir uns im letzten Salon dem Begriff des Erinnerns und dem Phänomen des Erinnerungsbildes (Gerhard Richter „Tante Marianne“, 1965) angenähert haben, besuchen wir mit der Kunstkaserne einen Ort, in dem die Vergangenheit – der Krieg – seine Spuren hinterlassen hat, d. h. einen Erinnerungsort.

Verlauf des Salons:

Bis alle Kinder eingetroffen sind, malen und kleben wir eine Danke-Schön-Karte für unsere Gastgeber in der Kunstkaserne. Alle Kinder unterschreiben. Sie sind bestens gelaunt und freuen sich auf den Ausflug. Im Taxi reden wir darüber, was eine Kaserne ist und fragen, was die Kinder vom Krieg wissen. Unser Junge erzählt von Ländern, in denen es Krieg gab. Ein Mädchen ist verunsichert: „Aber hier ist jetzt kein Krieg, oder?“ Wir beruhigen sie und betonen das Glück darüber, dass wir in einem Land leben, in dem Frieden herrscht. Unser Junge: „Krieg ist, wenn sich Leute nicht einigen können. Dann schießen die sich tot.“ Er erzählt von seinem Computerspiel, „in dem man die toten Soldaten neu erfinden kann“. Ein Mädchen wirkt empört: „In echt sind die dann aber wirklich tot und das ist schlimm!“ Wir stimmen ihr zu.

In der Kunstkaserne begrüßt uns die Künstlerin Gabriele Heidecker und führt uns durch die Ausstellungsräume. Vor einer quadratischen Vertiefung in der grob verputzten Wand bleiben wir stehen. Was das denn wohl sei, fragt unsere Gastgeberin die Kinder und deutet auf die Einkerbungen auf der unteren Kante. „Das ist für Farben!“, ruft ein Mädchen. Gabriele Heidecker verneint. Nach ein paar Stichworten erraten sie, dass es sich um einen gemauerten Gewehrschrank handelt. Anhand der Stellplätze in den Gewehrschränken könne man schätzen, wie viele Soldaten hier gelebt hätten. Die Vorschläge der Kinder starten bei acht und führen bis zu 1000. Es wären ungefähr 240 Soldaten gewesen, erfahren wir.

Als nächstes führt unser Weg in einen Raum mit verkohltem Türrahmen und geschwärzter Decke. Wir bekommen erzählt, dass hier im zweiten Weltkrieg eine Bombe eingeschlagen ist. Nun geht die Spurensuche an den Wänden weiter. Risse werden befühlt, loser Putz abgeknibbelt. Einige Kinder inspizieren sehr genau die ausgestellten Installationen und Bilder. Insbesondere die Bilder aus rotem Lack und schwarzem Teer „Rote Craquelés“ (1995-2000) faszinieren sie. Sie wollen ganz genau wissen, welche Materialien verwendet worden sind und warum die Künstlerin die Werke geschaffen hat. Mit Begeisterung sammeln sie die heruntergefallenen schwarz-roten Teer-Lackstückchen ein und befühlen sie. Jedes Stückchen hat eine andere Form. Die Kinder beginnen Gesichter und anderes zu assoziieren. Jedes Kind darf sich ein Stückchen mitnehmen.

Nun betreten wir die Spiegelinstallation „Virtual Place“ (2002). Wir erinnern die Kinder daran, bitte vorsichtig zu sein! Zunächst schauen wir uns den Raum an. Anhand des Sockels und der Ofenrohröffnung ist noch genau zu erkennen, wo früher der Ofen stand. Gabriele Heidecker erzählt, dass die fehlenden Bretter am Boden zum Heizen verwendet wurden, weil es nach dem Krieg kaum Heizmaterial gab. Dann stellen sich jeweils zwei Kinder in die Mitte der Installation und beschreiben, was sie in den Spiegeln sehen. Nach und nach erkennen sie, dass es auf der einen Seite scheinbar endlos abwärts, auf der anderen Seite aufwärts geht.

Die Kinder sind erschöpft und haben Durst. Wir gehen ins Wohnzimmer der Künstlerin, die Getränke und Gebäck vorbereitet hat. Am Boden im Kreis sitzend, kehrt zufriedene Stille ein. Einige Kinder fragen, ob sie nun malen könnten, doch leider reicht die Zeit nicht mehr. Wir vertrösten auf den nächsten Salon. Zum Abschluss bekommt jedes Kind eine Karte, auf der die Arbeiten von Gabriele Heidecker und Marosch Schröder zu sehen sind: „Zur Erinnerung!“ In den Händen hält jedes Kind ein rot-schwarzes Erinnerungsstück.

Resümee

Die Kriegsvergangenheit Berlins hat für die Kinder ein Gesicht bekommen. Das Wort Kaserne kannten einige zuvor nicht. Da die ausgestellten Installationen und Bilder ebenfalls Prozesse der Vergänglichkeit und des Zusammenfalls von Raum und Mensch sicht- und erfahrbar machten, konnten die Kinder Geschichte als etwas erleben, in das sie involviert sind. Zudem haben sie eine Art des Wohnens inmitten von Kunst kennengelernt.

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